In aller Ruhe durch raue See

Durch die BBA finanziertes StartUp „Wallaby Boats GmbH“ baut das weltweit erste kommerzielle Schiff mit einer Federung

Kappeln, 29.07.2021

Im kommenden Frühjahr soll der Prototyp des Offshore-Service-Schiffs fertig sein. Über den Coup aus Kappeln freuen sich (von links): Marek Klimenko (Chef der Hitzler Werft), Bernd Buchholz (Wirtschaftsminister), Harald Hübner (Gründer der Wallaby Boats GmbH), Achim Fölster (Gesellschafter Wallaby Boats Gmbh), Benjamin Schmoll (Prokurist und Gesellschafter der Wallaby Boats GmbH), Eike Höper (Geschäftsführer und Gesellschafter der Wallaby Boats GmbH) und Kay Klimenko (Junior-Chef der Hitzler Werft).Foto/computeranimation: Wallaby

 

Meterhoch türmen sich die Wellen auf. Doch an Deck des „Wallaby-18“ kommt von den Stößen kaum etwas an. Der 18 Meter lange Katamaran federt die raue See weg wie ein Geländeauto die heftigsten Bodenwellen. Noch passiert das nur im Modell. Doch im Frühjahr soll die „Wallaby“ tatsächlich schwimmen.

Gedacht ist die Entwicklung zunächst, um Offshore-Servicekräften auch bei schwerer See einen sicheren Übergang zu Windkraftanlagen zu ermöglichen. Doch Potenzial sehen die Entwickler auf vielen Märkten.
Sicherheit erhöhen und das Übelkeitsrisiko mindern könnte die Wallaby-Technik auch auf Lotsenbooten, schwimmenden Krankenfahrzeugen – und auf den Zubringerbooten für Kreuzfahrtpassagiere. Das Beste ist: Das weltweit erste kommerzielle Schiff mit einer Federung kommt aus Schleswig-Holstein. „Eine „sensationelle Entwicklung“, schwärmt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Entwickelt wurde die Neuheit vom Start-up Wallaby Boats GmbH aus Kappeln, Ausgründung von Offcon – einem Unternehmen wiederum, das seit 1989 ebenfalls von Kappeln aus als Ingenieurbüro und Reederei aktiv ist. Gebaut wird der Prototyp von der Hitzler-Werft aus Lauenburg. Das Prinzip ist ebenso einfach wie effektiv: Die Rümpfe des Katamarans sind mit dem Brückendeck nicht fest, sondern über vier Federbeinkonstruktionen verbunden – ganz nach dem Vorbild von Offroad-Autos. Antrieb und Stromerzeugung sind in den Rümpfen untergebracht, Hydraulikaggregat, Batterien und Druck-Akkumulatoren im Kriechdeck, dem sogenannten „Heuboden“.

Komplett Schluss mit dem Schaukeln ist damit zwar nicht, doch die Technik soll es dank Sensorsteuerung sowie hydraulischer Federung und Dämpfung schaffen, den Einfluss des Seegangs auf die Passagiere um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Damit kann die „Wallaby“ auch bei mehr als zwei Meter hohen Wellen noch so stabil bleiben, dass Service-Personal sicher vom Schiff auf eine Windkraftanlage umsteigen kann.

Der Name Wallaby – so heißen die kleineren Vertreter des Kängurus – ist eine Hommage an die australische DNA der Boote. Denn das Prinzip des gefederten Katamarans kommt vom Ingenieurbüro Nauti Crafts aus Dunsborough, Westaustralien. Vor sechs Jahren testete Offcon-Mitgründer Harald Hübner den 8,5 Meter großen Demonstrator eines gefederten Schiffes – war begeistert und sicherte Offcon die Rechte für Boote zwischen zwölf und 20 Metern Länge.

Doch der Weg zum Produktionsstart war steinig. Über Jahre versuchte Offcon, das Projekt mit Partnern aus der Offshore-Branche zu realisieren. Es gab großes Interesse, aber niemand wollte im Konzeptstadium einsteigen. Schließlich war es die WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein), die es durch ihre Unterstützung ermöglichte, aus dem Konzept einen ersten Entwurf – ein sogenanntes Basic Design – zu machen.

Das überzeugte den Energiekonzern EnBW, der exakt nach solchen Lösungen für seine Windparks suchte, und für die erste Wallaby bereits einen Chartervertrag unterschrieb, obwohl das Boot noch gar nicht gebaut ist. Investitionsbank Schleswig-Holstein und Förde Sparkasse zeigten sich ebenfalls interessiert, machten jedoch die Beteiligung eines privaten Investors zur Voraussetzung für ein Engagement. Diesen fanden Höpner und sein Team in Achim Fölster, Mitglied des Vereins Baltic Business Angels, der junge Unternehmen mit Kapital und Managementerfahrung unterstützt.

Zunächst ist geplant, die „WB-18“ von Barhöft bei Stralsund für die EnBW-Windparks „Baltic-1“ und vom dänischen Klintholm für „Baltic-2“ zu betreiben. Nach erfolgreichen Schwerwetterversuchen in der Ostsee soll der Prototyp in der raueren Umgebung der Nordsee und des Ärmelkanals getestet werden.

Für Hübner ist schon jetzt klar, dass es beim Offshore-Einsatz nicht bleiben wird. Auch für die Kreuzfahrtbranche sei die Wallaby-Technik interessant: „Auf jeden Fall werden wir auch mit der Meyer-Werft über eine Kooperation sprechen.“

Die Erfindung bedeutet vermutlich nicht das Ende der Seekrankheit – aber der Einfluss des Seegangs auf die Passagiere wird um mindestens 40 Prozent reduziert.

 

Quelle: Kieler Nachrichten

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Dr. Bernd Buchholz

Vorstandsmitglied und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein​

Dr. Bernd Buchholz (FDP), Jahrgang 1961, ist seit Juni 2017 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein. Seit 2013 ist er stellvertretender Vorsitzender der „FDP Schleswig-Holstein“.

Der promovierte Jurist war unter anderem Verlagsleiter der Hamburger Morgenpost und des „stern“, Leiter von „Gruner + Jahr Deutschland“ sowie Vorstandsvorsitzender der „G+J AG & Co KG“ und Mitglied im „Bertelsmann“-Vorstand. Zwischen 2014 und 2017 war der gebürtige Berliner als Strafverteidiger für die Anwaltskanzlei „Causaconcilio“ in Hamburg tätig.

Dr. Peter Steck

Commercial Officer

Peter startete nach seiner Promotion in Chemie bei der Unternehmensberatung BCG als Mitglied der Praxisgruppe „Corporate Finance and Strategy“. Er lernte dann als VP Business Development eines internationalen Getränkeherstellers das Leben im Konzern kennen und schließlich als Geschäftsführer eines Naturkosmetik-Unternehmens die Sichtweise eines Mittelständlers. Aus dieser Erfahrung weiß Peter um die Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die sich für Start-ups nach der Gründungsphase ergeben können.

Da sein Herz schon immer für die Selbständigkeit schlug, ist er mittlerweile selbst Gründer eines Online-Unternehmens mitten in Schleswig-Holstein. Seine Interessenschwerpunkte als Investor sind Konsumgüter, E-Commerce-Geschäftsmodelle und innovative Unternehmen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. 

Eine Aufgabe als Commercial Officer sieht Peter in den Themen Vernetzung und Diversität – sowohl bei den Gründerteams als auch den Mitgliedern.

Claas Nieraad

2. Vorsitzender & Screening Officer,
Next Logistics Accelerator GmbH

Claas begann seine Karriere in der Old Economy bei „AEG und Electrolux Group“, wo er seine Leidenschaft für aufstrebende Industrien entdeckte. Das ist es, was ihn bis heute antreibt. Nachdem er bei „American Heritage Management Corp.“ an der Wall Street war und in den 1990er Jahren an den ersten internetbasierten Börsengängen teilnahm, wurde seine Leidenschaft für Technik und disruptive Technologien immer stärker. Er ist Mitgründer von „New Commercial Room“, einem VC-Unternehmen mit Sitz in Hamburg, mit dem er ein Portfolio von High-Tech-Wachstumsunternehmen verwaltet, das von medizinischen Geräten über Medien bis hin zu SaaS, IT und Cybersecurity reicht. Als Angel Investor investierte er sowohl privat in Unternehmen als auch mit dem „btov Investor-Network“. Er betreut aktiv zahlreiche deutsche StartUps, Accelerator-Programme und ist Scout im Norden für den „High-Tech Gründerfonds“ (HTGF). Dadurch hat er Zugang zu erstklassigem internationalen Deal Flow und Investoren. Darüber hinaus hat Claas mehrere Aufsichtsratspositionen inne und ist Live-Musiker mit der „Soul Lounge Connection“.

Julian von Hassell

1. Vorsitzender

Julian beschäftigt sich als Serial Entrepreneur, Investor und Business Angel seit 2003 mit der deutschen StartUp- und Venture Capital-Szene. Dabei konzentriert er sich darauf, ausgewählten frühphasigen StartUps und ihren Gründerinnen und Gründern dabei zu helfen, Ambitionen in die Tat umzusetzen. Investiert wird meist in frühphasige B2B-Technologie-unternehmen mit erstem Track Record. Julian‘s Fokus liegt zurzeit auf Industrial IoT, Data Analytics, b2b-Plattform-Tools, e-Health und 3D. Er liebt SpinOffs, die aus Forschungsstiftungen und -organisationen oder technischen Hochschulen stammen, ist aber auch für andere Möglichkeiten offen. Mehr zu Julian findet man am besten auf seiner Webseite und hier im Interview.